Morgengrauen
Wo sitzt er wohl -
der kleine Vogel -
der zuvorderst den neuen Tag entdeckt?
Scheinbar der Einzige und Erste unter Allen
hat er wie viele Seinesgleichen
ihn aufgeweckt.
Ich lausche seinem Lied
und unsre Unschuld
schlummert Arm in Arm.
Scheinbar grad einzig unter Allem
halten sich
tausend Lieben warm.
Die Rose atmet
den Duft des Taus
dein Atem feuchtet meine Haut.
Scheinbar erstmalig unter Allem
ist’s mir gleichwohl
doch schon so oft vertraut.
Das Kätzchen pirscht
durchs feuchte Gras
ich küss dein weiches Haar.
Scheinbar erstmalig unter Allem
wohl wissend, dass
es schon so oft so war.
So sind wir nun ein Teil
des Ganzen
das ohne uns als Teil
ein Ganzes nicht kann sein.
Scheinbar einzig unter Allem
bist Du – bin Ich – sind Wir
doch jeder noch für sich Allein.
Erst wenn es dann ganz stille wird
ganz still in dir und mir
im Vögelchen,
der Rose
und dem Kätzchen…..
dann sind wir endlich eins mit Allem -
gehören Niemand mehr.
R.J.
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KOMM’ HER ZU MIR….
Komm’ her zu mir
sei einfach da!
Komm’ her zu mir
sei uns ganz nah!
Komm’ her zu mir
schlaf in mir ein!
Komm’ her zu mir
lass uns
ganz einfach
SEIN!
R.J.
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DA WO DU GERADE BIST...
Da - in dem Kreis Dich zu wissen,
Da - wo Du gerade bist
lässt mich ruhig sein
wo ich gerade bin.
Dein bebendes Seufzen
schlummerte noch in meinem Ohr
es ist nun erwacht
und zerfließt im Morgentau,
versickert in den Schoß der Erde,
die Deine verwirrte Nacktheit noch bedeckt
friedvoll, warm und weich.
Ich sehe unsere Kreise
da, wo wir gerade stehen
direkt - unmittelbar
unter unseren Füßen.
Eine Wahrheit,
die uns weder trennt noch vereint
Du bist dort - ich bin hier
und so war es schon immer
und wird es auch immer sein.
Wir betrachten denselben Mond,
dieselbe Sonne
atmen dieselbe Luft.
Wie könnten wir uns
also jemals wieder verlieren
wenn wir uns einmal erkannt und berührt haben?
Die Wirklichkeit
die nichts als die Liebe ist
kennt weder Wollen noch Sein
weder Verlangen noch Verzicht
weiß nichts von
Wollust und Askese
Begehren und Zurückweisung
kennt weder Erinnerung noch Vergessen
hat keinen Anfang und kein Ende.
Ich weiß wie Du
von Hunger und Durst
spür' Kälte, Leid und Einsamkeit
Kummer, Sorgen und Schmerz
Brauch Wärme, Licht und Nahrung,
Berührung, Geborgenheit und Zärtlichkeit.
Können wir dieser Wirklichkeit
die derselbe Teil der Liebe ist
wirklich jemals entfliehen?
R.J.
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SEHNSUCHT
Sehnsucht -
Spiegel meiner Projektionen
maskierter süßer Illusionen.
Der gedachten
und gelebten
der geträumten und verbrämten.
Sehnsucht –
Komplizin meiner Leiden
Kluft zwischen meinen beiden
Ichs und DU und WIR.
zerfledderst mich in alle Winde -
so ich mein Einssein nicht mehr finde.
Sehnsucht –
Geliebte Ungeliebte – Du
lass mich allein. lass mich in Ruh’
schmeichelnde Verführerische,
ich kenne deine Netze längst,
gib Acht, dass du dich nicht darin verfängst!
Sehnsucht -
ICH such dich nicht, doch bist du da
DU, Sehnen suchst MICH, ist das wahr?
Bin auf der Flucht vor dir und mir -
nicht ICH such dich, die ich mich sehne
das Sehnen sucht, was ich nicht wähne.
Sehnsucht -
Schmiegst dich in mein Stillesein
ich will dich nicht, doch bis du mein.
Umarmst du mich,
lass’ ich’s geschehen
denn ohn’ mich kannst du nicht bestehen!
Sehnsucht -
nun lass ich mich von dir besiegen,
und tröstend in den Traum reinwiegen.
sei mir ganz nah,
ich geb’ mich hin und schau dich an
damit ich wieder Eins
mit MIR sein kann.
R.J.
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VERGESSEN
- Vergessen -
grenzenloser Raum.
Lass mich schweben
jenseits
von Wünschen
Sehnen
und Traum.
- Erinnerung -
lass mich
leben,
denn Sehnsucht
nach deinem
Gefühl
kann niemals
meine Wahrheit sein.
Doch hätte ich dich nie gelebt
so wär’ ich nicht -
nicht Mensch
nicht Herz
noch mein,
So such ich dich
- Vergessen -
und finde
euch immer
nur zu zwei’n.
R.J.
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Abschied
Begegnung in den Gezeiten unserer beider Leben
…berührt das Wasser den trockenen Sand
benetzt und tränkt ihn
bis in den tiefsten Rand.
Das Wasser geht ….
Der Felsen steht -
lässt sich geschehen.
Offenbart seine klaffenden Wunden,
die das Meer nur kühlen,
aber doch nicht heilen kann.
Zerklüfftete Felsenarme
schenken Schutz
dem zarten keimenden Leben….
Er lächelt –
Der Schmerz vergeht -
Was bleibt
sind Liebe und Vergeben.
Rita
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