Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
Josef Freiherr v. Eichendorff
Vielleicht....?
Meine großen Worte werden mich nicht vor dem Tod schützen
und meine kleinen Worte werden mich nicht vor dem Tod schützen
überhaupt kein Wort
und auch nicht das Schweigen zwischen den großen und kleinen Worten
wird mich vor dem Tod schützen.
Aber vielleicht - werden einige dieser Worte
und vielleicht - besonders die kleineren
oder auch das Schweigen zwischen den Worten
einige vor dem Tod schützen wenn ich tot bin?
(Erich Fried)
18. Mai 2019
11. Mai 2019
Vernunft und Leidenschaft
Eure
Seele ist oft ein Schlachtfeld,
auf dem Eure Vernunft und euer Verstand
Krieg gegen Eure Leidenschaft und eure Gelüste führen.
Könnte
ich der Friedensstifter in Eurer Seele sein
und den Missklang und die
Zwietracht eurer Wesen in Einklang und Harmonie verwandeln!
Aber wie kann ich das sein, wenn ihr nicht selber auch Friedensstifter seid,
nein, mehr noch, euer ganzes Wesen liebt?
Eure
Vernunft und Eure Leidenschaft sind das Ruder und die Segel eurer
seefahrenden Seele.
Wenn eure Segel oder Ruder brechen, könnt Ihr nur
noch schlingern und treiben
oder auf hoher See festgehalten werden.
Denn
Vernunft ist, wenn allein sie waltet, eine einengende Kraft;
und
unbewacht ist die Leidenschaft eine Flamme, die bis zur Selbstzerstörung
brennt.
Daher lasst die Seele eure Vernunft auf den Gipfel der Leidenschaft heben,
damit sie singt!
Und
lasst sie Eure Leidenschaft mit Vernunft lenken,
damit eure
Leidenschaft ihre tägliche Auferstehung erlebt
und sich wie der Phönix
aus der Asche erhebt.
Ich wollte, Ihr betrachtet Euren
Verstand und Eure Gelüste wie zwei geliebte Gäste in eurem Haus.
Sicher
würdet Ihr einen Gast nicht mehr ehren als den anderen?
Denn wer den
einen mehr beachtet, verliert die Liebe und das Vertrauen beider.
Wenn
ihr zwischen den Hügeln im kühlen Schatten der weissen Pappeln sitzt
und am Frieden und der Heiterkeit der Felder und Wiesen teilhabt,
dann
lasst euer Herz schweigend sagen: "Gott ruht in der Vernunft."
Und
wenn der Sturm kommt und der mächtige Wind den Wald erschüttert
und
Donner und Blitz die Erhabenheit des Himmels verkünden,
dann lasst Euer
Herz in Ehrfurcht sagen: "Gott bewegt sich in der Leidenschaft."
Und
da ihr ein Atemzug in Gottes Sphäre seid und ein Blatt in Gottes Wald,
sollt auch ihr in der Vernunft ruhen und in der Leidenschaft euch regen.
Khalil Gibran
10. Mai 2019
Wo lernen wir ?
Wo lernen wir leben,
und wo lernen wir lernen,
und wo vergessen,
um nicht nur Erlerntes zu leben ?
Wo lernen wir klug genug sein,
die Fragen zu meiden,
die unsere Liebe nicht einträchtig
machen?
Und wo
lernen wir ehrlich genug zu sein,
und unserer Liebe zuliebe,
die Fragen nicht zu meiden ?
Wo lernen wir,
uns gegen die Wirklichkeit zu wehren,
die uns um unsere Freiheit
betrügen will?
Und wo lernen wir träumen
und wach sein für unsere Träume,
damit etwas von ihnen
unsere Wirklichkeit wird ?
Erich Fried
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